Einzug der Katzen in Griechenland 
und im alten Rom

Etliche Jahrhunderte vergingen, bis man auch in Europa Katzen als Haustiere kennenlernte. Solange die Ägypter ihre Katzen als göttliche Wesen ansahen, bestand für diese ein strenges Ausfuhrverbot. Wer eine Katze außer Landes schmuggeln wollte, hatte harte Strafen zu erwarten.
Aber selbst die Androhung der Todesstrafe konnte auf Dauer nicht verhindern, dass infolge regen Handels ägyptische Katzen durch Seeleute nach Kreta gelangten. Funde von Katzenfiguren aus Ton lassen vermuten, dass dies in 11. Jhd. v.Chr. der Fall war.
Weitere 600 Jahre verflossen, ehe man außer in Griechenland auch in Italien die Bekanntschaft der Katze machte. Die ersten kamen aus der unter griechischem Einfluss stehenden Stadt Kyrene an der nordafrikanischen Küste. Sie wurden als seltsame Kostbarkeiten bestaunt, von den Frauen reicher Kaufleute wegen ihres hübschen Aussehens und ihres anschmiegsamen Wesens wohlgefällig aufgenommen. Ihr Bild wurde schließlich in Stein gemeißelt oder auf Münzen aus Tarent und Regium geprägt. Wir begegnen diesen Katzen außerdem auf Vasenmalereien wieder. Eines der wohl schönsten dieser Vasenbilder zeigt zwei Frauengestalten, die eine hochspringende Katze mit einem Vogel und einem Wollknäuel zum Spiel herausfordern. Das Fell dieser Katze weist eine leichte Marmorierung auf - eine Zeichnung die bei Falbkatzen nicht vorkommt. Bei dieser Szene kann es sich ohne jeden Zweifel nur um eine Hauskatze handeln.


Trotz dieser Beweise einer weitgehenden Anpassung an den Menschen vermochte sich die Katze zu jener Zeit weder in Italien noch in Griechenland einzubürgern. Sie blieb ein Fremdling, dessen Haltung sich nur Vereinzelte aus Liebhaberei und Luxus leisteten. Es fehlte ihr an Partnern, um sich einen Fortbestand zu sichern. Außerdem stand ihrer Verbreitung das Frettchen entgegen, das über lange Zeit seine Stellung als beliebtes Haustier zur Vertilgung von Mäusen und Ratten hielt. Auch zur Kaninchenjagd wurde es schon von den Römern mit Erfolg eingesetzt.
Erst im 2. bis 4. Jahrhundert begann die Katze, die dieses Mal - und nunmehr endgültig - über Vorderasien im Abendland Einzug hielt, das Frettchen zu verdrängen.
Nachdem es ihr gelungen war, durch ihre nicht zu überbietende Geschicklichkeit im Mäusefang die Gunst der Italiener zu erringen, blieb ihr diese auch bis in ferne Zukunft erhalten, selbst als sie später auf Geheiß der Kirche in vielen Länder, vor allem Deutschland, Frankreich und England, geächtet und verfolgt wurde.
Wegen ihres starken Unabhängigkeitsdranges wurde die Katze in Italien zum Symbol der Freiheit.

 

 

Quelle: Peter Teichmann: "Wir und die Katzen" S. Hirzel Verlag Leipzig 1977

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