Hauskatzen im Fernen Osten
Sofern man den uralten schriftlichen Überlieferungen
glauben kann, muss sie Katze im Fernen Osten bereits vor der Zeitenwende bekannt
gewesen und auch schon gezähmt worden sein. Die ersten, die mit der Katze
Freundschaft schlossen, und denen sie dafür in der Abgeschiedenheit der Klöster
Gesellschaft leistete, sollen Mönche gewesen sein.
Sie sollen jedoch dem Menschen eine Zeitlang auch als Nahrungsmittel gedient
haben und dafür in Bambuskäfigen gemästet worden sein. (!)
(Anmerkung: Es ist
ja auch heutzutage bekannt, dass in einigen asiatischen Ländern Katzen und andere Tiere auf das
grausamste gequält werden, um dann, auch lebendig, im Kochtopf zu landen!!!)
Doch auch im Reich der Mitte erkannte man den wirklichen Nutzen, den die Haltung
von Katzen in Scheunen und Speichern brachte.
Die Zahl der Mäuse stand damals sicherlich der der Ratten nicht nach, und die
Menschen kannten bis zum Auftreten der Katze als Haustier kein so wirksames
Mittel, um sich der verheerenden Plage zu erwehren.
„Miao“ (=“Korn“) und „Mao“ (=“Katze“) verbanden sich zu einem
zusammengehörenden Begriff, der die große Bedeutung der Katzen vor Augen führt.
Nachdem man feststellte, dass oft schon die Anwesenheit einer Katze im Hause genügte,
um die ungebetenen Gäste zu vertreiben und für längere Zeit fernzuhalten,
begann man der Katze Zauberkräfte zuzuschreiben.

Bei den Japanern, die durch die Chinesen die Katze kennenlernten, waren die
ersten Exemplare noch zu kostbar, um für jedermann erschwinglich zu sein. Die
einfachen Leute behalfen sich mit Katzenattrappen in Form von Strohpuppen oder
Tonfiguren. Die verschiedensten Nachbildungen dienten so lange als Abschreckung,
bis man sich von ihrer Nutzlosigkeit überzeugt hatte und die Katzen zu einem für
das Volk erschwinglichen Preis erworben werden konnten.
Um ein Davonlaufen zu verhindern, befestigten manche Katzenbesitzer ihrem Tier,
nachdem es seine tägliche Aufgabe des Mäusefangs erfüllt hatte, Gewichte oder
Holzpflöcke am Halsband.
Weiterhin soll damals die Sitte bestanden haben, das jeder eine Katze als sein
Eigentum betrachten konnte, wenn sie sich in seinem Grundstück blicken ließ.
Vermutlich war das der Grund, die Bewegungsfreiheit der Katzen auf so tierquälerische
Weise einzuschränken.
Der Besitz von Katzen war in Japan anfangs das alleinige Vorrecht des Adels und
der Reichen. Etwa im Jahre 1000 war es für einen Minister eine besondere
Auszeichnung, wenn er eine Katze erhielt, die im kaiserlichen Palast
aufgewachsen war. Natürlich waren diese Katzen nicht für den Mäusefang
bestimmt.

Einige Jahrhunderte später erging es den fernöstlichen Hauskatzen ähnlich wie
zur gleichen Zeit ihren Artgenossen in Europa. Man begegnete ihnen mit
Misstrauen, denn man glaubte, dass sie übernatürliche Kräfte besäßen und in
Wirklichkeit Dämonen wären, die nur Unheil ins Haus brächten.
Auf die Dauer ließen sich jedoch diese abergläubischen Vorstellungen nicht
aufrechterhalten, da sich Ratten und Mäuse ständig vermehrten. Durch ein von
der Obrigkeit erlassenes Dekret wurden zu Beginn des 17. Jhd. Folterungen und
Misshandlungen, aber auch Kauf und Verkauf sowie gewaltsame Verwahrung von
Katzen endlich unter Strafe gestellt.
An Stelle der unheilvollen bösartigen „Nekomata“, des legendären überdimensionalen
Fabelwesens in Katzengestalt, trat als Glückssymbol die Katze mit der einladend
winkenden Pfote, die „Maneki-Neko“ (jap. Neko=Katze). „Einladekatzen“
fanden sich, wenn nicht lebendig, so doch aus Holz oder Ton neben der Tür
vieler Teestuben. Heutzutage ist Maneki-Neko eine allen japanischen Kindern
wohlvertraute Märchenfigur, die unter anderem als Motiv für Sparbüchsen
Verwendung findet.
Im 18. Jahrhundert dienten Katzen indirekt zur Pestprophylaxe. Nachdem man zu
der Erkenntnis gekommen war, dass Rattenflöhe Überträger von Pestbakterien
sind, schrieben die Gesundheitsbehörden für jedes Haus eine bestimmte Anzahl
Katzen vor, um die Ratten in Schach zu halten.
Quelle: Peter Teichmann: "Wir und die Katzen" S. Hirzel Verlag Leipzig 1977
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