Katzen in Deutschland
und anderen Ländern Europas
Zu der Zeit, als das römische Imperium seinen letzten Aufschwung erlebte,
gelangten Katzen mit dem Tross römischer Legionen auf dem damals sehr
beschwerlichen Weg über die Alpenpässe in den Norden.
Es ist anzunehmen, dass es sich dabei immer nur um einzelne Tiere gehandelt hat,
da Katzen im Gegensatz zu Hunden selten Neigungen besitzen, sich dem ruhelosen
Leben umherziehender Menschen anzupassen. Doch kam es im Laufe von Generationen allmählich zu ihrer Verbreitung, wobei
auch Handelsbeziehungen eine Rolle gespielt haben. Sie tauchten nämlich auch außerhalb
des Machtbereiches Roms, beispielsweise in Schleswig mit dem Handelszentrum
Haithabu, auf.
Nach den Ländern des Balkans mögen sie teilweise durch die Völkerwanderung
gebracht worden sein. In einem Vandalengrab aus dem 4. Jahrhundert unweit vom
Plattensee entdeckten Archäologen auf dem Brustkorb eines menschlichen
Skelettes die knöchernen Überreste einer Katze. Wahrscheinlich stellte diese
Katze, die zusammen mit dem verstorbenen lebendig begraben wurden, eine
Opfergabe dar. Die Sitte, einem Toten Lieblingsgegenstände und -tiere
mitzugeben, war schon seit der Steinzeit bei vielen Volksstämmen gebräuchlich,
wie aus zahlreichen Funden dieser Art aus aller Welt hervorgeht.
Die aus dem Süden zugewanderten Hauskatzen mit dem „nubischen Gepräge“
waren in Mitteleuropa lange Zeit eine große Rarität, wogegen vor allem die
deutschen Wälder einen reichen Bestand an Wildkatzen aufwiesen. Dies war noch
bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Fall. Die Rücksichtslose Verfolgung
brachte sie jedoch an den Rand des Aussterbens. In England wurde sie vollständig
ausgerottet. In Deutschland war man nicht weit davon entfernt, deshalb wurde sie
schließlich unter Naturschutz gestellt. In manchen Gegenden wurde sie wieder
angesiedelt.
Nicht nur in vielen deutschen Legenden fanden Katzen Erwähnung, sondern auch in
der Mythologie. In der germanischen Sagenwelt wurde Freya als Göttin der Liebe
verehrt. Ihr Wagen wurde von zwei riesigen Katzen gezogen, deren Augen glühten,
wenn sie in Gewitternächten durch die Lüfte jagten. Wie schon die ägyptische
katzenköpfige Göttin Bastet wurden auch Freya und deren Katzen mit Ehe,
Kindersegen und Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht.

Quelle: Peter Teichmann: "Wir und die Katzen" S. Hirzel Verlag Leipzig 1977
diese Seite ist Bestandteil eines Framesets
auf Merlins
Katzenseite