Die Katze im alten Ägypten



In der altägyptischen Bilderschrift taucht das für Löwe und Katze gemeinsame Symbol „Miu“ etwa 2500 Jahre v.Chr. in den Inschriften der 5. und 6. Dynastie auf.
Später tritt an dessen Stelle der Begriff „Mau“, sicherlich eine sprachliche Nachahmung der Lautäußerung.
Katzenhaltung größeren Umfanges und damit der Beginn der Geschichte unserer Katze als Haustier lässt sich in Ägypten mit Bestimmtheit zur Zeit des Mittleren Reiches nachweisen. Es wurden zahlreiche Katzenmumien aus dieser Zeit gefunden. Die bekannteste und älteste Fundstätte ist die von Bubastis im östlichen Nildelta. In ausgedehnten Massengräbern fand man neben Falbkatzen auch Rohkatzen und Mungos. Das Alter dieser Funde beträgt ca. 4000 Jahre. Aus jüngerer Zeit stammen die Gräber von Beni-Hassan und Siut, in denen Vorwiegend Falbkatzenmumien gefunden wurden. Ihre Zahl ging in die Hunderttausende.
In den neunziger Jahren des 18. Jhd. gelangten mehrere Schiffsladungen davon nach England und wurden ohne Bedenken zu Düngemitteln verarbeitet. Glücklicherweise gingen nicht alle Mumien diesen Weg, viele zieren die ägyptischen Sammlungen in aller Welt.



Es ist kein Zufall, dass man Katzenmumien hauptsächlich an Orten fand, die dem religiösen Kult dienten.
Für die damalige Landbevölkerung fand ein so nützliches Tier wie die Katze sehr bald Wertschätzung und Anerkennung, und wurde nach und nach in die religiösen Kulte einbezogen.
Der Wert eines Gegenstandes wurde damals nicht selten in Getreide gemessen. Dieses stellte das wichtigste Grundnahrungsmittel dar. Einen wirksamen Schutz vor den zu Tausenden angelockten Mäusen und Ratten konnten einzig und allein die Katzen bieten. So mag die zutrauliche Falbkatze, in Aussicht auf reiche Beute, von selbst zu den Häusern und Kornspeichern gekommen sein. Allmählich wurde sie dann auch in den Wohnungen willkommen aufgenommen. Es entstand eine Zweckgemeinschaft zu beiderseitigem Nutzen. Der Schritt vom Mäusejäger zum heiligen Tempeltier wird sich wahrscheinlich ohne Schwierigkeiten vollzogen haben, zumal sich auch in den geweihten Räumen hin und wieder Mäuse eingefunden haben.
Ursprünglich bediente man sich des Löwen als Tempelwächter, weil er achtunggebietend und respekteinflößend wirkte. Doch nach und nach entdeckte man den Vorzug, den die Katze als verkleinertes Abbild des Löwen bot. Sie war wesentlich leichter zu halten, anspruchsloser in der Fütterung und vor allem weitaus ungefährlicher im Umgang. Diese Eigenschaften förderten ihre Verbreitung als Tempeltier. Eines Tages gab es sogar Katzenpriester, deren hauptsächliche Aufgabe es war, für das Wohlergehen ihrer Schützlinge zu sorgen. Die Tötung eines heiligen Tieres wurde fast immer mit der Todesstrafe geahndet. Weil den Katzen niemand ein Härchen zu krümmen wagte, bevölkerten die Katzen bald alle Städte und Dörfer Ägyptens.
Inzwischen war die Katze vom Tempelwächter zur Gottheit erhoben worden. 
Sie trat an Stelle der löwenköpfigen Göttin Sechmet. Die religiösen Huldigungen galten jetzt der katzenköpfigen Göttin Bastet.

 

Bastet war die Göttin des Mondes - des Lichtes in der Dunkelheit - und zugleich das Symbol der Freude, der Geburten und des Kindersegens. Ein mal im Jahr gipfelte die Verehrung für die Katzengöttin in einem großen Fest. Tausende Menschen pilgerten nach Bubastis. (von Pi-Bastet = Haus der Bastet). Die Mehrzahl der herbeigeströmten Pilger führten sorgfältig einbalsamierte tote Katzen mit sich, um sie an diesem Wallfahrtsort zu beerdigen. Man stellte seiner Katze mitunter Schüsseln mit Milch in Grab, oder legte als Wegzehrung einbalsamierte Mäuse hinzu. Reiche betteten ihre Katze in einen mit Gold und Edelsteinen verzierten Sarg. Im Laufe der Zeit entstanden in Bubastis und anderen Kultstätten riesige Katzenfriedhöfe.
Der ägyptische Katzenkult war keine kurzlebige Zeiterscheinung, sondern währte mehrere Jahrhunderte. Der griechische Geschichtsschreiber Diodorus, der jedoch im 1. Jh. v. Chr. lebte, berichtet folgendes:
„ Wer ein heiliges Tier mit oder gegen seinen Willen tötet, der wird von der herbeieilenden Menge oft ohne Urteilsspruch auf das Grausamste zu Tode gebracht. 
Darum bleiben diejenigen, welche ein derartiges totes Tier erblicken, aus lauter Furcht weit weg von ihm und rufen laut mit Wehklagen und Beteuerungen, dass sie es tot aufgefunden haben.“
Die Legende berichtet, dass einstmals der Perserkönig Kambyses zu einer Kriegslist griff, indem er seine Soldaten anwies, Katzen vor ihre Schilde zu halten. Die belagerte Stadt fiel ohne Blutvergießen in die Hände der Perser, da die ägyptischen Krieger fürchteten, die heiligen Tiere zu verletzen.

Der Tod ihrer Katze war für eine ägyptische Familie Anlass zu tiefster Trauer. 
Man rasierte sich die Augenbrauen ab, um seine Anteilnahme nach außen hin sichtbar zu machen und verbrachte mehrere Tage mit beten und fasten. Kam es zu einem Brand des Hauses, wurde zuerst die Katze als kostbarster Besitz in Sicherheit gebracht.

Nach der Zeitenwende ging der kultische Status der Katze mehr und mehr verloren.  Sie fiel jedoch nicht in Ungnade, sondern behielt die Zuneigung der Ägypter.

 

Quelle: Peter Teichmann: "Wir und die Katzen" S. Hirzel Verlag Leipzig 1977

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